Das Chaos vor jeder türkischen Hochzeit Teil II

 

Hochzeitsvorbereitungen Teil II: Alles auf einen Schlag

Ich komme auf dieses Thema, weil eine Freundin von mir heiratet und bei mir vieles wieder hochgekommen ist. Dazu kommt noch, dass sie nicht die einzige ist, von der ich die lustigsten und verrücktesten Geschichten über die Hochzeitszeit gehört habe. Wusstet ihr, dass sich bei uns Pärchen in dieser Zeit mega oft trennen? Ja, kein Scheiß. Ihr müsst euch das so vorstellen:

Ihr habt: Zwei Geschwister, 3 Tanten und 2 Onkel (und das ist jetzt für türkische Verhältnisse wenig), dazu kommen natürlich eure Eltern und Großeltern. Das rechnen wir dann noch mal zwei. Zu guter letzt kommt dann Ihr. Eurer Freund und ihr. Wenn ich mich jetzt nicht irre, sind wir bei 24 Personen, und wir haben Freunde und Nachbarn weggelassen. So und nun taucht das Wort, von dem ich vorher schon erzählt habe, wieder auf: ADET. Dieses wunderschöne und auch grausame Wort, dass mir schon bei dem Gedanken daran Kopfschmerzen bereitet.

  • Es ist Adet, dass die „Mädchen-Seite“ das Schlafzimmer bezahlt.
  • Es ist Adet, dass die „Jungen- Seite“ den Rest bezahlt.
  • Es ist Adet, beim Standesamt, dem Partner, nachdem „Ja, ich will“, auf de Fuß zu treten
  • Es ist Adet, ein rotes Band um das Brautkleid zu tragen

Alles ist Adet. Sogar dass man atmet, wird auf einmal zu einem Brauch. Du musst dich so benehmen, du musst den Leuten diesen Wunsch erfüllen und darfst jene Bitte nicht ausschlagen. Auf einmal ist es den Eltern deines Zukünftigen wichtig, wie deine Wohnung aussehen soll. Welche Tapete du nimmst, welche Farbe deine Kissenbezüge im Wohnzimmer haben und alle haben so schreckliche Ideen, weil alle so verdammt noch mal auf Kitsch stehen. Es gibt bestimmt Mädchen, die auf Steinchen, Perlen und Payetten stehen. Ja, sogar viele türkische Mädchen tun das, aber was wenn man das alles nicht mag? Versteht ihr das? Ihr kennt die Familien kaum, weder der Junge noch das Mädchen, wollen die Eltern, des Anderen verletzen oder kränken. Die meisten türkischen Jungs, sorry, aber sind so erzogen worden, dass sie bei ihren Eltern den Mund nicht aufkriegen. Es wird als Respekt bezeichnet, aber ich persönlich, verstehe unter Respekt nicht, wenn meine Mama sagt: „Trag ein Diadem auf deinem Kopf an deiner Hochzeit“, und ich es als hässliche empfinde und sage: „Okay, Mama, wenn du das sagst“. Würdet ihr das als Respekt bezeichnen? Man kann auch respektvoll „Nein“ sagen.

Nicht die Mutter trägt das Brautkleid, sondern du! Warum interessiert es sie dann so, dass du ein pompöses Kleid anziehst und nichts schlichtes? Nicht die Schwester zieht in eure Wohnung, sondern ihr! Warum will sie dann über eure Tapete entscheiden? Und das größte Warum ist: WARUM sind sie beleidigt, wenn es dir nicht gefällt?

Ganz ehrlich, Leute, Hand aufs Herz. Der Punkt ist, Die meisten Mütter und älteren Schwestern, vielleicht auch die Väter und Brüder, denken auf einmal, dass sie selbst heiraten würden. Wo ist der Bezug zur Realität? Hallo? Geht es nicht darum, dass das Pärchen glücklich ist. Mir wurde darauf geantwortet: „Nein, es geht darum, das ALLE glücklich sind.“ Knallharter Schlag ins Gesicht.

Tja, versteht ihr jetzt den Knackpunkt? Das Mädchen spricht mit dem Jungen und sagt: Bitte, ich möchte das nicht, sprich mit deinem Eltern. Der Junge bekommt „aus Respekt“ seinen Mund bei seiner Familie nicht auf oder er spricht mit ihnen und alle sind beleidigt. Was ist die Schlussfolgerung? Stress beim Brautpaar. Es fliegen die Fetzen, sag ich euch. Es kommt sogar soweit, dass am Ende sagt: „Wie sprichst du über meine Familie? Was fällt dir ein?“, dabei wurde wahrscheinlich nur gesagt, dass Großmutter eine uralte Küchenmaschine geschenkt hat. Ich könnte euch jetzt so viele katastrophale Bespiele nennen.

Meine Anekdote

Eine kleine Anekdote:  Am Tag meiner Hochzeit wurden natürlich Fotos gemacht. Für die Fotos habe ich mein rotes Band irgendwann ausgezogen, weil sich die Schleife so oft gelöst hat. Tja, als ich den Saal betreten sollte, aber wir alle im ganzen Stress waren, haben wir dieses Band vergessen wieder drumzubinden. Leute, an alle zukünftigen türkischen Bräute: Vergesst niemals dieses Band!!! Kurz: Dieses Band steht für die Jungfräulichkeit der Braut. Meine Cousine, die schon 35 ist und immer noch unverheiratet, und seit 12 Jahren einen, ich glaube, polnischen Freund hat, sitzt mit einem Teil meiner Familie an einem Tisch und sagt dann: Sie hat kein rotes Band an. Sie ist keine Jungfrau mehr. Schämt die sich nicht, so in den Saal zu kommen“. Das erfahre ich natürlich alles erst später, aber  „???“. What the fuck? 35. Unverheiratet. Seit einer Ewigkeit vergeben. Du sprichst über meine Jungfräulichkeit? Heftig oder? Und das passiert, wenn man sich nicht an die Bräuche hält. Egal wie integriert. Egal wie locker. Jedenfalls ist es in meinem Umfeld so. Mich würde natürlich interessieren, wie extrem es bei euch war. Wer kennt noch solche Fälle?

Meine Wahrheit

Man kommt nicht drumrum und man muss die Zähne zusammenbeißen. Aber eine Sache kann ich weitergeben: Bitte trennt euch nicht. Bitte kämpft weiter für eure Beziehung, denn nach der Hochzeit wird es besser. Wunden heilen, Streitereien wegen der Hochzeit vergehen und verblassen. Aber haltet als Paar immer zusammen. Seid immer ein standhaftes und gutes Team. Manchmal muss man für sein Glück, das Glück anderer übergehen, solang es in einem gesunden Maß ist. Ich sage nicht, streitet euch mit euren Eltern. Brecht Herzen und scheißt auf jeden. Um Gottes Willen. Niemals. Denn ohne die Familie im Rücken  geht alles nur halb so leicht. Ich sage euch nur findet eine gesunde Mitte und redet viel. Schafft Probleme aus dem Weg und haltet immer zusammen. Es ist doch wie eine kleine Probe. Wenn du das alles überstehst, weißt du, dass du später auch mit deinem Mann oder deiner Frau bei der nächsten Hürde nicht zusammenbrechen werdet. Glaubt an eure Liebe

Bis bald und Küsschen meine Lieben :*

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Ein Kommentar zu „Das Chaos vor jeder türkischen Hochzeit Teil II

  1. So viel über türkische Sitten und Kultur: Liebe Hazal, zum Glück haben wir als Familie die goldene Mitte gefunden, indem wir uns von allem rausgehalten haben und dem verliebten Pärchen mit Respekt den bevorstehenden Lebensabschnitt sich so gestalten zu können, wie sie sich das immer vorgestellt haben. Wie es sich schön sagen lässt: Wenn du nicht möchtest, dass man es dir antut, tust du es auch nicht anderen. Dies heisst nämlich: Die europäische/ türkische Sitte. Kurz gefasst, es geht auch anders, wenn man sich mit Respekt begegnet. Dies wünsche ich meinen eigenen Töchtern auch. Gruß Nihal Kacanlar

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