Hochzeit No. 1

Also, der Marathon hat begonnen. Nachdem wir eine Woche vorher schon auf dem tollen Essen nach dem Standesamt unserer Freunde waren, folgte darauf die Hochzeit meiner alten Schulfreundin. Seit Jahren im Kontakt und immer für einander da gewesen, brachte mir das eine wichtige Position auf ihrer Hochzeit. Mental versuchte ich ihr eine gute Stütze zu sein, denn auch hier kamen die typischen Probleme zum Vorschein und stellten somit das Paar auf eine große Probe. Es war eine Libanesisch- Türkische Hochzeit. Wenn man selbst so eine Prozedur noch nicht erlebt hat, ist man wirklich überfordert. Nachdem der Bräutigam mit seiner Familie die Braut abgeholt hat, machten wir uns alle auf den Weg zum Saal. Kennt ihr das, wenn die Hochzeit in einer anderen Stadt ist und man muss erst mal ne Stunde fahren bis man ankommt? So war es dieses Mal bei uns, eigentlich kein Problem. Warum das bei mir zu einem Störfaktor wird, erklärt sich gleich von selbst. Nachdem ich meine Freundin abgeholt hatte, machten wir uns direkt auf den Weg. Die Zeit verflog und wir waren ganz schnell in der Stadt angekommen.

Kurzer Stopp bei Rewe, noch mal ein Redbull und frische Erdbeeren gegönnt und auf dem Parkplatz geparkt. Wir waren stolz wie Oscar, dass wir einen guten Parkplatz bekommen haben. Schnell die High Heels an und ab in den Saal „RomAntik“. Ich muss lachen, wenn ich dran denke. Wir sehen überall Kennzeichen mit der Zahl 38, die in der Türkei für die Stadt Kayseri steht, weder der Junge noch das Mädchen kommen aus Kayseri, aber was soll’s? Wahrscheinlich seine Nachbarn. „Hatten seine Eltern nicht ein Haus dort?“, schoss es mir durch den Kopf. Am Eingang des Saals werden wir von den Familien begrüßt. Meine Freundin fragt mich, wer Mutter und Vater waren und ich antworte: „Keiner von denen“. Vielleicht waren sie mit etwas anderem beschäftigt. Die Kamera war auf uns gerichtet und filmte uns beim Reinkommen. Die Kamera – Typisch für Hochzeiten aus der Türkei oder generell aus dem Nahen Osten. Wir freuten uns, dass wir direkt in der Nähe des Brautpaares einen Tisch gefunden hatten. Natürlich war das Paar noch nicht da. Also schrieb ich der Braut. „Hier ein Foto vom Saal. Flash! Es ist schon voll, ihr könnt eigentlich kommen. Wo sind eigentlich deine Eltern? Kann keinen sehen“. „Sind alle da. Machen uns auf den Weg. Sind gleich da“.

Wir hatten es uns richtig gemütlich gemacht. Knabbereien gegessen, getrunken, und den Saal analysiert. Hässlich! Warum „RomAntik“ weil alles einfach „antik“ gestrichen wurde. Bitte stellt euch jetzt keinen Stuck vor oder so. Es wurde auf billigste Art  altes Gemäuer an die Wände gestrichen. Nicht umsonst dike ersten drei Buchstaben. Möchtegern Colloseum. Ich dachte nur: „Wie konnte sie sich für diesen Saal entscheiden?“ Die Band rief zwischendurch „Kayserilierimiz nerde?/ Wo sind unsere Leute aus Kayseri?“.  Und wieder dieser Gedanke: „Die haben aber viele Freunde aus Kayseri“. Wir spekulierten, wer wohl die Schwestern des Bräutigams waren und hatten zwei junge Mädels gefunden, die den Beschreibungen entsprachen. Das beruhigte uns. „Würde ich jemanden kennen, würde ich tanzen gehen“. Aber immer noch niemand aus Krefeld in Sicht und auch von den Brautjungfern keine Spur. Aysi drängte mich schon, nicht die ganze Zeit rumzusitzen, aber ich konnte mich nicht überwinden. „Wenn Miri da ist, dann…“.

Nachdem 40 Minuten vergangen waren, wir das Obst gegessen, die Knabbereien verputzt waren und das Brautpaar jeden Moment kommen sollte, kam mir ein Gedanke: „Aysi, kann es sein, dass wir auf der falschen Hochzeit sind?“. „Nein Mann, niemals! Meinse?“. Tja also philosophierten wir erst mal: Wo waren die Eltern? Niemand hier, den wir kannten. Und die Band rief wieder nach ihren Kayseriten. Wieder eine Sms an die Braut: „Schatz, schau mal auf das Foto. Bin ich überhaupt im richtigen Saal???“. 1 Minute später: „Nein“.

Leute, stellt es euch vor. Ist es euch schon mal passiert? Nein? Ja, sowas passiert auch keinem normalen Menschen. So etwas passiert nur mir. Eine Stunde auf der falschen Hochzeit. Gebt euch das. Mädchen, wo ist dein Kopf? Hallo? Klopf. Klopf. Jemand da? In dem Moment anscheinend nicht. Also nichts wie weg! Den verschmutzten Tisch hinter uns lassen. Komische Blicke von unseren Tischnachbarn kassieren. Wieder zum Eingang. Wieder an der Kamera und wieder an den Eltern, die nicht die Eltern unseres Paares waren, vorbei. Zum Glück hatte ich nicht getanzt. Draußen. Überall die Kennzeichen mit der 38. Und dann entdeckten wir der Wagen des Brautpaares. Nicht unser Brautwagen. Auf dem Weg nach draußen, sagte meine Freundin noch: „Ich glaube, wir sind nicht falsch. Es ist doch die richtige Adresse“. Unsere Braut war Brünett, diese Braut hier war Blond. Endlich glaubte auch Aysi, dass wir definitiv nicht auf der richtigen Hochzeit waren. Nach einem kurzen Telefonat mit der Braut, hatte ich nur Fetzen aufschnappen können. „Auf der Straße sind mehrere Säle, ihr müsst ins „Deluxe“, ganz am Anfang der Straße“. Wir waren am Anfang der Straße. Nach unserer Auffassung jedenfalls. Wir stiegen ins Auto, wieder Schuhe wechseln, zum Kotzen. Auf die Straße gefahren, fragten wir dort den Lotsen, der jeden auf die Parkplätze einwies. Ein 18-Jähriger, dem es scheinbar die Sprache verschlagen hatte, das ihn zwei Mädels ansprachen, denn er konnte uns in keinem vernünftigen Satz sagen, wo wir hin mussten. Wieder Fetzen. „Zurück auf den Parkplatz. Ihr hattet einen guten Parkplatz, schnell. Ihr… wieder zurück. Da ist so ein Gang. Da lang gehen.“ „Wieder durch den Saal?“. „Nein, einfach da lang“. Ach so. Danke, du Genie. Nachdem wir geparkt hatten, machten wir uns auf den Weg, nach diesem „Durchgang“. Es stellte sich heraus, dass er den Bürgersteig meinte und unserer eigentlicher Saal, direkt an dem „RomAntik“ lag. Scheinbar wurde eine Lagerhalle einfach in zwei geteilt. Also musste das schon öfter passiert sein…

Endlich! Dieses Mal wurden wir auch von den richtigen Menschen begrüßt und es gab auch endlich bekannte Gesichter. Der restliche Abend verlief wie jede türkische Hochzeit. Groß, pompös und laut. Ich liebe es,aber würde ich noch mal heiraten, dann nur mit 150 Leuten. So privat und familiär wie nur möglich. Mein Manko für den Abend: zu wenig arabische Musik. Es waren zwar wesentlich mehr Türken da, aber das hätte ich mir doch gewünscht. Aber die Hochzeit verlief wirklich schön, alleine weil ich meine Freundin hab strahlen sehen.

Ich wünsche euch noch schöne Restpfingsttage :-*

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